Das TTArtisan AF 24mm F3.8 mini ist ein ungewöhnliches Objektiv: eine Vollformat-Autofokus-Festbrennweite mit rund 57 g Gewicht und einem Preis von 109 €. Es ist nicht darauf ausgelegt, mit Premium-24-mm-Festbrennweiten zu konkurrieren. Es basiert auf einer einfacheren Frage: Würde eine leistungsfähige Vollformatkamera häufiger mitgenommen, wenn das Objektiv kaum etwas zu ihrer Größe beiträgt?
Inzwischen liegen unabhängige Tests vor, und das Gesamtbild ist recht einheitlich: Optisch ist das Objektiv leistungsfähiger, als seine Abmessungen vermuten lassen, doch die feste Blende und der fehlende manuelle Fokus sind echte Einschränkungen und keine Marketing-Fußnoten. Dieser Artikel fasst zusammen, was diese frühen Tests gezeigt haben und für wen das Objektiv sinnvoll ist.
Was es ist:
Das AF 24mm F3.8 mini deckt einen Vollformatsensor mit einem Bildwinkel von 84° ab. Der optische Aufbau besteht aus 6 Linsen in 6 Gruppen, darunter ED- und asphärische Elemente. Die Naheinstellgrenze liegt bei 0,3 m, der Autofokus wird von einem VCM (Voice Coil Motor) angetrieben, und das Objektiv verfügt über ein Metallbajonett mit USB-C-Anschluss für Firmware-Updates. Ein Schieberhebel an der Front dient zugleich als Objektivdeckel.

Das Objektiv ist für Sony E und Nikon Z erhältlich. Da die Blende fest bei f/3.8 liegt und es keinen Fokusring gibt, werden Belichtung und Fokus vollständig über die Kamera gesteuert; ein Frontfiltergewinde gibt es ebenfalls nicht.
Was Tester sagen:
Frühe Hands-on- und vollständige Tests – darunter Dustin Abbotts unabhängiger Test an einer 61-MP-Sony a7R V, TTArtisans eigenes Launch-Video sowie mehrere Direktvergleiche mit dem Viltrox AF 28 mm F4.5 – stimmen in den folgenden Punkten weitgehend überein:
- Schärfe: starke Detailwiedergabe in der Mitte und im mittleren Bildfeld bei f/3.8, mit etwas weicheren Ecken. Da f/3.8 die einzige Blende ist, lässt sich nicht abblenden, um die Ränder zu verbessern.
- Kontrast und Farbe: Tester beschreiben guten Kontrast und natürliche Farben; Abbott hebt einen deutlich höheren Kontrast als beim Viltrox 28 mm F4.5 hervor.
- Verzeichnung und Vignettierung: leichte kissenförmige Verzeichnung und eine moderate Vignettierung – für ein so kleines Objektiv zurückhaltend.
- Chromatische Aberration: geringfügige longitudinale und laterale Farbsäume in kontrastreichen Bereichen.
- Streulicht: Schleierstreulicht ist begrenzt, bei einer hellen Lichtquelle im Bild können jedoch grüne und violette Geisterbilder auftreten; eine Gegenlichtblende lässt sich nicht montieren.
- Autofokus: leise und für Fotos allgemein zuverlässig, mit weichem Touch-Fokus für Video; Fokusatmung ist erkennbar.
- Nahfokus: 0,3 m sind für ein 24-mm-Objektiv nicht besonders nah, und ohne manuellen Fokus erfordert die genaue Nahaufnahme etwas Ausprobieren.
- Bokeh: etwa auf Kit-Objektiv-Niveau, wobei Detailwiedergabe und Kontrast besser sind als bei den meisten Kit-Objektiven.
Kompromisse, die man kennen sollte:
- Feste Blende. f/3.8 ist die einzige Blende. Es ist nicht möglich, für mehr Schärfentiefe abzublenden, bei Tageslicht mit langen Verschlusszeiten zu arbeiten oder Sonnensterne zu erzeugen.
- Kein Filtergewinde. Einschraubbare ND- und Polarisationsfilter sind nicht möglich; das schränkt Langzeitbelichtungen und die Kontrolle von Reflexionen ein und erschwert Videoarbeiten mit fester Verschlusszeit.
- Kein manueller Fokusring. Zonenfokus und manuelle Fokusverlagerungen sind nicht möglich; Autofokus ist die einzige Option.
- Keine Angabe zur Wetterschutzung. Es ist ein Schönwetter-Immer-dabei-Objektiv und kein Allwetterobjektiv.
- Kompatibilitätseinschränkungen. Berichten zufolge haben ältere Sony-Gehäuse (a7S, a5000/a5100) nur eingeschränkte Autofokus-Unterstützung, NEX-Kameras werden nicht unterstützt; bei einigen FX-Modellen wurden mit älterer Firmware Probleme gemeldet. Die Nikon-Z-Verfügbarkeit war zuletzt hinter Sony E zurück, daher vor der Bestellung den Lagerbestand prüfen.
Für wen es geeignet ist:
Am sinnvollsten ist das Objektiv als zweites, immer dabei befindliches Objektiv: Street und Reisen bei Tageslicht, dokumentarische Alltagsfotografie und ein kompaktes 24 mm an einem Vollformatgehäuse wie der Sony a7C-Serie. An Sony APS-C entspricht es etwa einem 36-mm-Äquivalent, einer natürlichen Alltagsbrennweite.
Weniger geeignet ist es für Landschaftsfotografen, die bei f/8 bis f/11 arbeiten, für Langzeitbelichtungen mit ND-Filtern, für manuelle Fokussierer und für alle, die von einer 24-mm-Festbrennweite eine geringe Schärfentiefe oder Wetterschutz erwarten.
Technische Daten:
Brennweite: 24 mm
Format: Vollformat
Blende: F3.8 (fest)
Bildwinkel: 84°
Optischer Aufbau: 6 Linsen in 6 Gruppen (inkl. ED- und asphärischer Elemente)
Naheinstellgrenze: 0,3 m
Fokus: Autofokus (VCM), kein manueller Fokusring
Filtergewinde: Keines
Abmessungen: ca. 60 x 16 mm
Gewicht: ca. 57 g
Anschlüsse: Sony E / Nikon Z
Verarbeitung: Metallbajonett, Schieberdeckel, USB-C-Firmware-Anschluss
Preis und Verfügbarkeit:
Das TTArtisan AF 24mm F3.8 mini kostet bei Pergear 109 €. Die Sony-E-Version ist auf Lager; die Verfügbarkeit der Nikon-Z-Version sollte vor der Bestellung auf der Produktseite geprüft werden.
Fazit:
Das AF 24mm F3.8 mini versteht sich am besten als bewusst eingeschränktes Objektiv. Sein Wert liegt nicht darin, eine herkömmliche 24-mm-Festbrennweite zu ersetzen, sondern darin, eine Vollformatkamera so klein zu machen, dass man sie ohne Nachdenken mitnimmt. Wenn dieser Kompromiss zu Ihrer Arbeitsweise passt, bekommen Sie für 109 € ein wirklich taschenfreundliches Autofokus-Weitwinkel; wenn Sie Blendenkontrolle, Filter oder manuellen Fokus brauchen, ist ein größeres Objektiv die bessere Wahl.




